Überwinterung Teil I - November 2022

Tag 1: Dienstag, 01. November 2022

64625 Bensheim-Schönberg – 67870 Griesheim-prés-Molsheim: 232km

OMG! Was für ein Start! *lach*

Wie heißt es so schön… „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…“ Nun ja, nachdem ich tagelang, ach was, wochenlang alles ganz sorgfältig geplant habe, darf ich alles umschmeißen… Warum erfährst Du gleich.

Noch bis heute Morgen um 10.00Uhr habe ich in meinem Kopf ganz fest vor, „nur“ bis nach Südfrankreich zu fahren und zwar ausschließlich über die Landstraße. Aus diesem Grund sind auch beide deutschen Alu-Gasflaschen im Gasfach eingebaut… Irgendwie hatte ich bis eben noch das Gefühl, dass „zack“ Weihnachten ist und ich ja gar keine Zeit habe um groß wegzufahren. Denn was ich auf jeden Fall beschlossen habe ist, dass ich unsere Trude (WoMo) nicht irgendwo parken bzw. abstellen werde und auch nicht mit dem Flieger an Weihnachten wieder komme, sondern unsere Trude überall mit hin nehme und Weihnachten auf jeden Fall zu Hause bei meiner Family bin.

Nun gut, um kurz nach 10Uhr habe ich dann mal ausgerechnet und festgestellt, dass ich gute 7 Wochen zum Reisen habe… *lach* In S-I-E-B-E-N Wochen sollte es doch wohl drin sein, zu meinen Eltern zu fahren und auch rechtzeitig wieder zurück zu kommen!! Kurzerhand habe ich also meine Pläne verworfen und mein Lieblingsmensch war so lieb noch mal kurz zu Hause vorbei zu schauen und mir eine deutsche Alu-Gasflasche gegen die spanische Flasche zu tauschen. Ist ja doch alles Neuland für mich, denn sonst bin ich immer nur Beifahrerin…

Nachdem ich also zu Hause alles erledigt habe, wie Wäsche waschen, Betten machen, spülen, ausgiebig Kaffee trinken, eine Runde Lachyoga (*unbezahlte Werbung*) und versuchen meine Nerven zu beruhigen, bin ich um 10.55Uhr endlich von unserem Schotterplatz aus losgefahren. Mein Lieblingsmensch war so lieb und hat mir heute Morgen die Trude bis zu diesem Platz runtergefahren. Das Mini-Stückchen bis zum Haus ist echt eine Herausforderung und nachdem ich solange nicht gefahren bin, bin ich mehr als glücklich, dass er das für mich übernommen hat.

Die Reise geht also los… Es regnet. Nach 200 Schritten bin ich an der Trude und obwohl ich eben noch auf Toilette war, bin ich sooo aufgeregt, dass ich gleich nochmal muss. Oh man! Das kann ja heiter werden… Der Rest der Sachen aus den beiden Taschen wird jetzt noch verstaut und…

Auf geht’s auf die Autobahn!! Wenn wir zu zweit unterwegs sind, muss mein Lieblingsmensch spätestens nach 30 Minuten anhalten, weil ich auf die Rappelbox muss. Heute dachte ich nach 30 Minuten, ach, ein bisschen geht noch, sind ja eh alle Parkplätze leer. Das war auch so, bis die A5 von zwei Spuren auf drei Spuren vergrößert. Und ab da, muss ich aufs Klo und alle Park- und Rastplätze sind voll mit LKWs. Ich habe natürlich nicht bedacht, dass in Baden-Württemberg Feiertag ist… So bin ich insgesamt 5x raus und wieder reingefahren. Danach habe ich echt keine Lust mehr und fahre bis zur nächsten Tankstelle auf der Autobahn… Sind ja „nur“ noch 35km… *seufz*

Ich will unbedingt noch in Deutschland tanken, denn „man“ teilte mir in verschiedenen Foren mit, dass theoretisch in Frankreich im Moment Engstellen mit dem Tanken auftreten könnten… Naja, sicher ist sicher und da die Tanknadel eh schon in Richtung „Viertel-voll“ geht, tanke ich lieber. 2,459€ kostet der Spaß pro Liter und knapp 46 Liter gehen rein. Ein kleines Vermögen und das schon am ersten Tag… *Ayayay* Doch so bin ich auf jeden Fall für die nächsten Tage auf der sicheren Seite.

Die Tankstelle allerdings ist 2km nach meiner eigentlichen Ausfahrt und entweder ist das Navi zu doof oder ich, doch ich bin mal gleich einen schönen großen Umweg gefahren, weil eine Straße gesperrt ist und ich aufs Navi gehört habe statt meiner Intuition zu vertrauen. Doofer Fehler!! Ich hätte sofort wieder auf die Autobahn fahren sollen. So bin ich rechts, und danach links und wieder links abgebogen um dann wieder auf die Autobahn zu kommen… *Augenroll*

Wieder auf der Autobahn bin ich auch ruck-zuck schon in Frankreich – um 13.00Uhr um genau zu sein – und gefühlte tausend Kreisel warten schon auf mich. Mein „eigentlich“ geplanter Stopp soll in 67240 Schirrhein sein, auf einem Platz von France Passion (*unbezahlte Werbung*), doch entweder gibt es diesen Platz nicht, oder ich hab ihn nicht gefunden. Auf jeden Fall ist es hier sehr, sehr eng. Ich muss eine super enge Rechtskurve fahren um überhaupt in die Straße zu kommen und es passt auch nur ein Auto in eine Richtung rein – zumindest am Anfang. Weiter hinten können sich dann zwei Autos nebeneinander vorbei quetschen. Nachdem ich also den Stellplatz nicht gefunden habe und die Straße auch nicht weiter einladend aussieht, muss ich mich zwischen einem parkendem Auto und einer Hauswand vorbei zwängen um auf der nächsten Hofeinfahrt wenden zu können. Oh Gott, was bin ich angespannt!! Ich habe das Gefühl, ich habe rechts und links maximal noch 10cm. Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht, doch es fühlt sich definitiv so an. Ich denke noch, was wohl schlimmer ist?? Soll ich eher das Auto oder das Haus mitnehmen?? Zum Schluss nehme ich Gott sei Dank nichts von beidem mit, obwohl ich sogar noch ein zweites Mal dran vorbei fahren darf. Kurz bevor ich dann endlich die Straße wieder rausfahre, kommt mir doch tatsächlich noch jemand entgegen. Hier ist es jedoch so, dass er rückwärts wieder rausfährt! Wie war das noch, der Kleinere gibt nach… *lach* Ich muss jetzt links abbiegen und es ist alles sooo eng, dass ich abbiegen in drei Zügen anwenden muss. Immerhin ist nicht viel Verkehr und niemand fühlt sich gestört! Ich am allerwenigsten! Ein neues Ziel muss her, doch da ich mit der Trude nicht einfach mal rechts ran fahren kann, muss ich noch ein gutes Stück weiter, bis ich eine Haltemöglichkeit finde. Doch bevor es damit weitergeht, gebe ich noch ein Lebenszeichen an meinen Lieblingsmensch und an meine Schwester und verschlinge ein Salami-Brötchen. Bin schon halb am verhungern, denn gefrühstückt habe ich vor lauter Aufregung auch nicht. 

So, kurze Pause vorbei, neues Ziel eingegeben: 67520 Soultz-les-Bains – ebenfalls ein Stellplatz von France Passion (*unbezahlte Werbung*). Ist zwar eine gute Stunde entfernt, doch was soll’s… Denkste!! Ha!! Nachdem ich also noch eine Stunde Fahrt investiere, ist doch tatsächlich das Tor verschlossen und ich kann hier auch nicht übernachten!!

Zähneknirschend und schon ganz schön k.o. bin ich also wieder weitergefahren und bin jetzt in 67870 Griesheim-près-Molsheim auf einem Parkplatz, den ich über „Park4Night“ (*unbezahlte Werbung*) gefunden habe, zwischen Skaterpark und Tennisplatz gelandet. Ich stehe ein bisschen schräg, doch da der „Kopf“ oben liegt, ist alles gut. Auf die Keile traue ich mich alleine nicht drauf. Aber das ist für mich okay so. Jetzt mache ich erst einmal die Schotten dicht und geh eine Runde an die frische Luft.

 

 

 

Herrlicher Sonnenschein und 17°C erwarten mich. Unterwegs treffe ich einen älteren Herren mit seinem Pudel und werde vom Pudel gleich sehr nett begrüßt. Als der Herr mit mir reden möchte und ich ihm mitteile, dass ich nicht so viel Französisch kann und Spanierin bin, freut er sich sehr, denn er kommt aus Südamerika und so können wir uns auf Spanisch unterhalten. Wie schön! 

Ich laufe eine Runde in den Feldern und auch ein zweiter Hund begrüßt mich gleich. Mit dem Frauchen unterhalten geht leider nicht wirklich und ich höre nur raus, dass sie sich wundert, denn normal bzw. typisch wäre das nicht für ihren Hund. Ja, ich verstehe mehr, als das, was ich reden kann… Und freue mich riesig über so tolle Begegnungen.

Auf dem Rückweg sammle ich noch ein paar schöne Steine, man weiß ja nie, wann man dazu kommen wird, diese zu bemalen… *lach* Mittlerweile sind sie auch schon sauber und liegen zum Trocknen da.

 

 

 

Mittlerweile ist es schon 18.00Uhr und ich glaube, heute werde ich nicht alt. Wenn ich ehrlich bin, ist das heute schon sehr anstrengend für mich, auch wenn es nur gute drei einhalb Stunden Fahrt sind. Doch mein ursprüngliches Ziel liegt ja bei max. 2 Stunden Fahrt pro Tag. Mal schauen, wie es Morgen klappt…

Jetzt werde ich noch ein wenig vespern und es mir dann mit einem Buch und einer Wärmflasche gemütlich machen.

 

Tag 2: Mittwoch, 02. November 2022

67870 Griesheim-près-Molsheim – 88310 Ventron: 128km

Heute Morgen bin ich von ganz alleine schon gegen kurz nach 6.00Uhr aufgewacht. Kein Wunder, nachdem ich gestern Abend um 19.45Uhr schon im Bett lag… *lach*

Mein Tag hat heute mit einem kleinen Spaziergang begonnen, gefolgt von einer Runde Lachyoga(*unbezahlte Werbung*) und einem leckeren Frühstück, bevor ich mich wieder auf die Straße begeben habe.

 

 

 

Kaum losgefahren will ich einem LKW ein wenig Platz machen und hab dabei ganz vergessen, dass ich ja auch eine gewisse Höhe habe. Da hat es mal eben auf dem Dach kurz geknirscht, doch es scheint alles gut zu sein. Vielleicht habe ich somit auch nur die losen Blätter weggefegt…

Die Tour verläuft danach sehr kurvenreich, ich fühle mich fast wie bei uns zu Hause im Odenwald. Über Berg und Tal, hoch, runter, rechts und links. Nach einer Stunde halte ich es nicht mehr länger aus und muss eine Pippi-Pause einlegen. Das ist auch gut so, denn sonst mache ich mir gleich in die Hosen. Nicht etwa weil ich so dringend muss, sondern weil ich einen ganz schönen Schrecken bekomme. Es ist mal wieder eine Linkskurve an der Reihe und mir kommt ein dicker Brummi entgegen, was ja nicht weiter schlimm ist, wenn da nicht dieser „Vollpfosten“ wäre, entschuldige bitte den Ausdruck, der doch tatsächlich meint, hier in der Kurve überholen zu müssen. Der LKW-Fahrer reagiert Gott sei Dank auch sofort und beide steigen wir so sehr in die Eisen, dass wir fast zum Stillstand kommen. Der Vollpfosten hat es gerade noch so geschafft zwischen uns durchzukommen ohne mitgenommen zu werden. Was für ein Schreck! Das brauche ich definitiv nicht noch einmal! Danke, Danke, Danke an alle Schutzengel die heute bei mir sind!

Nach diesem Schreck geht die Fahrt gemütlich und ohne weitere Vorkommnisse weiter, zwar wieder hoch und runter, nach rechts und links, doch insgesamt recht ruhig und ich lasse mich jetzt sowieso nicht mehr aus der Ruhe bringen. 

Wie auch gestern schon, sollte mein Übernachtungsplatz wieder ein ganz anderer werden, als er tatsächlich geworden ist. Theoretisch wollte ich in Gérardmer übernachten, doch nach dem das Navi mir mitteilt, dass ich angekommen bin, stehe ich nach wie vor Mitten auf der Hauptstraße. Nee, nee, da stimmt wieder was nicht. Zum Schluss habe ich festgestellt, dass ich da zu Fuß runter laufen müsste. Ha, ha, guter Witz!! Und die Trude?? Na, was soll’s, kenne ich ja schon, also kurz an der nächsten Möglichkeit halten, die nächste Übernachtungsmöglichkeit eingegeben und siehe da, ich stehe an einem wunderschönen Bachlauf nach insgesamt guten zwei einhalb Stunden Fahrt. Nachdem Schrecken von vorhin habe ich jetzt tierische Kopfschmerzen und genehmige als aller erstes eine kleine Siesta. Schön eingemurmelt und die Sonne scheint mir durch das Fenster ins Gesicht. Herrlich! Für 14.00Uhr ist der Wecker gestellt, denn ich möchte ja auch noch ein bisschen was von der Gegend sehen. Die Kopfschmerzen sind allerdings leider immer noch da.

 

 

 

Hast Du bemerkt, wie super gut ich rückwärts in die Parklücke gefahren bin! Ich stehe 1A da und das sogar beim ersten Versuch! Okay, die Parkplätze sind echt mega breit, doch ich stehe trotzdem Kerzengerade da!

Ich laufe los und besuche als erstes die kleine Kirche hier im Dorf.

 

 

 

Irgendwie ziehen mich die Kirchen magisch an, obwohl ich nicht zum Gottesdienst oder ähnliches gehe. Doch die Atmosphäre darin gefällt mir gut. Dieses Mal setze ich mich sogar ganz vorne auf die erste Bank und genieße die Stille. Und wie von Zauberhand sind die Kopfschmerzen endlich weg. Wie schön!

Danach laufe ich noch ein wenig im Dorf herum und entscheide mich das Touristik-Informationsbüro aufzusuchen. Es steht zwar groß dran geschrieben, dass hier auch Deutsch gesprochen wird, doch die Dame am Empfang kann es leider nicht. Nicht schlimm, mit Händen, Füßen, ein paar Brocken auf Französisch und ein paar Brocken auf Englisch kommen wir auch so weiter. Sie empfiehlt mir die Maison Artisanale (*unbezahlte Werbung*) und ich bin total entzückt von dem Lädchen! Hier gibt es sooo viel zu sehen und alles Handgemacht. Gestricktes, Genähtes, Gebasteltes, aus Holz, aus Keramik, Leinwände, Leckereien, einfach alles! Ich entscheide mich für den kulinarischen Bereich und nehme mir ein Glas Honig mit.

 

 

 

Die nette Dame erzählt mir auch, dass es hier einen Wasserfall gibt! Den muss ich unbedingt sehen. Sie gibt mir einen Flyer – allerdings nur in englischer Sprache – mit, mit verschiedenen Wasserfällen in der Region und erklärt mir kurz den Weg. Los geht’s! Vorher nochmal kurz an der Trude vorbei, Honig und weitere Flyer abstellen und Wasser einpacken, liegt ja sowieso auf dem Weg. 

Irgendwann auf halber Strecke bin ich mir doch ein wenig unsicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin und entscheide mich, eine weitere Dame anzusprechen. Es stellt sich heraus, dass sie Deutsche ist und sie erzählt mir, wie ich da hinkomme. Meine Orientierung und meine Englischkenntnisse sind wohl doch nicht so schlecht. *freu* Dort angekommen, denke ich nur, nein, das kann nicht sein. Das ist ja viel zu klein. Das ist ja mehr ein Bachlauf mit drei-vier Steinen drin und entscheide mich den Weg links davon zu nehmen. Der führt nach oben, der muss es sein! In alle anderen Richtungen geht es sowieso nicht wirklich weiter, es sei denn man möchte durch den Bachlauf und nasse Füße bekommen. Ich laufe also los, und laufe, und laufe, über Stock und Stein, bekomme auch hier nasse Füße und leicht rutschig ist es auch. Macht nichts! Ich will ja unbedingt zum Wasserfall! Irgendwann nach 30 Minuten immer weiter bergauf treffe ich ein paar französische Wanderer und mit Händen und Füßen erzählen sie mir, dass sie an das nächste Kloster wandern und schon eine Strecke von 21km und 1000 Höhenmetern hinter sich haben. Aha, okay, nein, da möchte ich dann doch nicht hin und drehe um. Den gleichen steinigen und rutschigen Weg also wieder runter! Beim nächsten Mal muss ich unbedingt daran denken meine Stöcke mitzunehmen! Für was habe ich sie denn sonst dabei!! Oh man! Das fällt mir immer erst hinterher ein. Auf dem Weg nach unten treffe ich einen weiteren Herren und frage ihn nach dem Wasserfall und was soll ich sagen, er schickt mich an den gleichen Bachlauf, an dem ich vorhin schon war. Mehr Wasserfall gibt’s hier nicht! „C’est tout!“ – Das ist alles! Vielleicht hätte ich vorher mal im Flyer richtig schauen soll, denn der Wasserfall vorne drauf mit dem tollen Bild und den vielen eindrucksvollen Kaskaden ist natürlich ein ganz anderer… *lach*

 

 

 

Immerhin, der Ausblick von oben ist toll!

 

 

 

Nach ca. zwei Stunden bin ich wieder an der Trude zurück und bemerke jetzt, dass ich vorhin vergessen habe, den Kühlschrank auf Gas umzustellen. Oh man! Ist schon doof, wenn man auf einmal ganz alleine an alles denken muss. Hole ich jetzt eben nach und hoffe, dass noch alles gut ist. Jetzt wird erst einmal gekocht, denn seit dem Frühstück heute Morgen um halb neun habe ich nichts mehr gegessen und der Hunger ist jetzt groß. Es gibt einen „One-Pot-Hähnchen-Gemüse-Eintopf“ nach spanischer Art und in einer guten halben Stunde ist er auch schon fertig! Bon Appétit!

 

 

 

Bei Kerzenschein lasse ich es mir munden und wärme mich somit von Innen heraus gleich mit auf. Allmählich wird es nämlich frisch in der Trude. Ich komme nicht drum rum ein wenig die Heizung anzumachen, wobei ich versuche, so sparsam wie möglich mit dem Gas zu sein. Aber vor Kälte zittern möchte ich jetzt auch nicht.

Jetzt sitze ich noch wenig hier und tippe meinen Reisebericht und danach werde ich heute vielleicht noch ein wenig kreativ werden. Gestern habe ich mir mal eben noch kleine „Kokosöl-Pfefferminz-Herzchen“ hergestellt um morgens schön erfrischt mein „Mundpflege-Ölzieh-Programm“ durchführen zu können. Jetzt riecht es hier immer noch nach Pfefferminze, selbst das Lavendel-Säckchen hat den Geruch nicht übertönt… Gott sei Dank mag ich den Duft!

Salut, à demain! Bis Morgen dann… 

 

Tag 3: Donnerstag, 03. November 2022

67870 Griesheim-près-Molsheim – 71270 Pierre-de-Bresse: 238km

Heute Morgen bin ich wieder sehr früh wach, schreibe mein Journal, ziehe mich an und gehe am frühen Morgen gleich mal eine kleine Runde spazieren. Herrlich diese frische Luft am Morgen. Der Bäcker hat auch schon auf, doch da ich sowieso nichts davon vertrage, laufe ich ganz brav dran vorbei. Selbst die Blümchen scheinen um diese Uhrzeit noch zu schlafen…

 

 

 

Um 08.15Uhr bin ich schon komplett mit allem fertig und fahre einfach los. Kein Frühstück, kein Lachyoga… Nein, dieses Mal nur eine recht angenehme Strecke zu fahren.

Ach, bevor ich es vergesse, gestern bin ich ein Stück der „Tour de France“ gefahren! Das wollte ich Dir nicht vorenthalten! Aber natürlich mit meiner lieben Trude und nicht mit dem Rad! *lach*

Theoretisch… – wie immer – …möchte ich nur bis nach Bucey-lès-Gy fahren, doch da es heute wie am Schnürchen läuft und es mir recht gut geht, entscheide ich mich bis nach Pierre-de-Bresse weiter zu fahren. Auf halber Strecke in etwa halte ich an einem LKW-Parkplatz an und genehmige mir ein Frühstückchen. Es ist wirklich nicht viel, denn ich habe gemerkt, dass ich mit vollem Bauch einfach nicht so gut und konzentriert fahren kann. Käffchen darf natürlich auch nicht fehlen und während ich ihn gemütlich trinke, telefoniere ich zum einen mit der netten Leitung der KVHS (*unbezahlte Werbung*), an der ich ab nächstem Semester wieder vermehrt unterrichten werde, und zum anderen mit meinen Eltern – die übrigens immer noch nichts von ihrem Glück wissen. Mein nächster großer Stopp, wird nämlich bei ihnen sein. *freu*

Nach einer kleinen Pause also, fahre ich wieder los und komme sogar bei unserem Lieblingsbäcker vorbei – allerdings halte ich nicht an. Heute läuft alles recht reibungslos, bis ca. 20km vor dem Ziel, denn auf einmal wird es sehr, sehr, sehr windig. Ich habe echt mühe die Trude gerade auf der Straße zu halten. Noch dazu schickt mir Berta, so habe ich jetzt mein Navi getauft, durch die engsten Gässchen, an mega Baustellen vorbei, etc. Irgendwie schaffe ich es dann doch gegen 12.30Uhr auf den heutigen Stellplatz. Leider stehen wir recht nah an der Straße und der Verkehr ist sehr, sehr deutlich zu hören, doch dafür haben wir kostenlosen Stromanschluss. Auch nicht schlecht, so kann ich wenigstens alle Geräte mal ordentlich laden ohne Angst zu haben, dass meine Batterien nicht ausreichen. Das Einzige was mir im Moment ein bisschen Sorgen bereitet, sind die Gasflaschen, denn es ist abends und morgens doch sehr kalt in der Trude und da muss die Heizung einfach laufen. Doch auch das werden wir irgendwie meistern… Wie heißt es so schön bei dem Lied von Iria (*unbezahlte Werbung*): „Es gibt immer einen Weg! Immer!“

Auf dem Stellplatz angekommen rufe ich gleich mein Lieblingsmensch an. Natürlich um ihm zu sagen, dass ich gut angekommen bin, doch auch um mit ihm gemeinsam per „Facetime“ den Strom an die Trude zu bekommen. Bis jetzt hat er es immer übernommen und somit ist auch dies Neuland für mich. Doch mit ein paar Handgriffen und dem richtigen Stecker geht es ruck-zuck und ich freu mich wie Bolle, dass ich wieder etwas dazu gelernt habe! Nachdem jetzt alles so läuft wie es soll, packe ich meinen „Vanlife“-Turnbeutel und los geht’s, die Ortschaft erkunden.

Erstes Ziel die Touristen-Information, nachdem ich gestern so begeistert war. Nur dieses Mal läuft es ganz anders. Hier an der Tür steht ein großes Schild, dass die Info von Oktober 22 bis Mai 23 geschlossen hat. Ooookkkaaayyy… Frage ich halt im Café nebenan mal nach, doch auch dort können sie mir nicht wirklich weiterhelfen. Mit Händen und Füßen erklären sie mir, dass es hier im Ort nicht wirklich viel zu sehen gibt, bis auf das Schloss vielleicht, und ich muss ihnen leider recht geben.

Ich laufe ein wenig umher und komme genau an die Kirche, an der mich Berta vorhin in die engen Gässchen geschickt hat. Warum eigentlich, jetzt bin ich doch auch die „große“ Straße gelaufen?! Wahrscheinlich konnte ich mir 1 Minute Fahrt sparen… Das macht sie gerne! Will mich immer ein bisschen ärgern…

 

 

 

Zufällig entdecke ich ein Schild auf dem steht, dass es hier einen „Intermarché“ (*unbezahlte Werbung*) gibt, also einen größeren Laden zum einkaufen. Ich denke mir, dass er bestimmt nich sooo weit weg ist, denn das Dorf scheint nicht wirklich groß zu sein. Das Problem ist nur, die Trude steht an dem einen Ende des Dorfes und der Laden am anderen. Ich brauche ganze 45 Minuten um in den Laden zu kommen. Dafür decke ich mich jedoch mit ein paar Leckereien ein, die ich gerade so noch tragen kann.

Auf dem Rückweg gibt’s noch einen Abstecher an ein paar andere „Sehenswürdigkeiten“…

 

 

 

Das Schloss scheint leider im Moment eine einzige Baustelle zu sein. Ich laufe ein paar Schritte in den riesigen Park und kehre dann doch um, nach dem ich die Tierchen fotografiert habe. Rehe, Ziegen, Hühner und Hasen habe ich auf einem Fleckchen Erde gefunden – sooo schön anzuschauen. Für einen größeren Spaziergang durch den drei Hektar großen Park bin ich jetzt einfach zu kaputt.

 

 

 

Auf dem Rückweg an die Trude fällt mir auf, dass sie hier in Frankreich auch Bücherschränke haben, wie bei uns zu Hause. Und noch dazu habe ich einen Erwachsenen-Spielplatz oder eher Trimm-Dich-Pfad oder wie auch immer man das nennt, genau vor der Nase. Mal schauen, ob ich mich Morgen früh dazu animieren kann. Jetzt bin ich fix und fertig und möchte nur noch in die Trude. Kurz davor entdecke ich noch einen Crêpes-Wagen und gönne mir hier eine Dose Cola. *Augenroll* Um 15.30Uhr komme ich kaputt aber glücklich an der Trude an und keine fünf Minuten später fängt es an zu regnen. Mittlerweile ist es 19.30Uhr und es regnet immer noch, allerdings mit kleinen Regenpausen zwischendurch. Wie gut, dass mein Lieblingsmensch vor Abfahrt noch das große Dachfenster abgedichtet hat!

 

 

 

Zum Abendessen gibt es heute das restliche Hähnchen von gestern mit Kartoffeln, Zwiebeln und Knobi aus dem Omnia (*unbezahlte Werbung*), das ist so eine Art Backofen für die Trude. Sieht zwar ein bisschen blass aus, mein Hähnchen, schmeckt jedoch ganz gut und erst recht, wenn man so einen Hunger hat, wie ich gerade.

 

 

 

Für heute Abend habe ich mir vorgenommen, mir die einzelnen TV-Sender zu notieren. Also, wo ich welchen Sender finde, und ob ich vielleicht auch spanische TV-Sender empfangen kann. Doch irgendwas habe ich wohl falsch gemacht, denn jetzt stimmt gar nichts mehr an dem TV. Oh je, wenn das mein Lieblingsmensch mitbekommt… *seufz* *lach* Da hat er dann bestimmt wieder einen ganzen Tag lang damit zu tun, denn ob ich die Muse habe, mich in die Bedienungsanleitung einzulesen, bezweifle ich. Da verzichte ich lieber auf TV gucken. *lach*

So, Morgen geht’s dann weiter… Mal schauen, welche Abenteuer dann auf mich warten! À bientôt!

 

Tag 4: Freitag, 04. November 2022

71270 Pierre-de-Bresse – 69850 Saint-Martin-en-Haut: 316km

Oh mein Gott, was für ein Tag! So einen Tag möchte ich bitte nicht oft erleben müssen.

Heute Morgen werde ich durch den Spalt in meinem Rollo, von den Scheinwerfern eines WoMo’s geblendet, der sich direkt neben mich stellt, und bin somit von jetzt auf gleich hellwach. Ich blinzle raus und mein erster Gedanke ist, oh Gott, wie soll ich hier nur wieder wegkommen? Der kann mich doch nicht einparken. Okay, gehe ich mal kurz raus, muss eh noch das Spülwasser ausleeren, und schaue mal. Dabei lasse mir die verrücktesten Sachen einfallen, wie ich aus dieser doofen Parklücke wieder rauskomme. Ich steigere mich so in diese Angst/Panik rein, dass ich innerhalb von 30 Minuten alles verstaue – denke ich zumindest – und um 07.15Uhr schon los fahre. Und das Ende vom Lied ist, dass ich ohne Probleme einfach raus fahren kann. Kein Wenden, kein Drehen, kein rückwärts um die Ecke, sondern einfach los fahren!! Oh man – scheiß Kopfkino!!

Allerdings sitzt der Schrecken einfach und die Fahrt wird von mal zu mal abenteuerlicher. Kaum fahre ich los, bemerke ich, dass ich vergessen habe das Handtuch zwischen Herdplatte und „Deckel“ drunter zu legen und es klappert ganz fürchterlich. Okay. Gleich mal anhalten… Man sollte allerdings die Handbremse ziehen!! Ich stehe auf, laufe an den Herd und denke noch, huch, ist mir auf einmal so schwindelig… Bis ich merke, dass nicht mir schwindelig ist, sonder dass die Trude rollt! OMG!! Ich springe regelrecht auf den Sitz und ziehe die Handbremse an, die sich ja bei der Trude auf der linken Seite des Fahrersitzes befindet. Ich bekomme sie noch rechtzeitig zum Stehen und Gott sei Dank sind auch noch keine Autos unterwegs. Rückwärtsgang einlegen, zurückfahren, Handbremse ziehen und jetzt aufstehen. Rums… Vergessen den Gang raus zu nehmen! Also wenn’s mal läuft, dann so richtig!

Ich richte alles, fahre wieder los und fünf Minuten später fällt mir auf, dass ich die Türverriegelungen noch nicht entfernt habe. Also, nächster Stopp!!

Jetzt allerdings an einem kleinen See und definitiv mal länger als 5 Minuten. Ich parke ganz ordentlich, trinke endlich einen Kaffee, telefoniere mit meinem Lieblingsmensch um mir alles von der Seele zu reden und kümmere mich um all die Kleinigkeiten die ich normalerweise morgens erledige, wie Müll und Toilette leeren.

 

 

 

So, die Nerven liegen nicht mehr blank und die Fahrt kann jetzt endlich losgehen. Heute schickt mich Berta (mein Navi) wieder über unzählige kleine Dörfer, Gässchen, etc. Berge hoch, Berge runter… Richtig anstrengend und das bei Dauerregen. Igitt! In Gedanken verbringe ich schon den ganzen Nachmittag im Bett. *lach*

Das eigentliche Ziel für heute ist 69690 Bibost. Und nach dem ich ziemlich weit oben in den Bergen, mitten in der französischen Pampa bin, erscheint mir der Stellplatz schon beim Vorbeifahren so mini, mini, so eng und klitzeklein, dass ich mich entscheide weiter zu fahren. Der nächste kommt bestimmt. Sind ja nur +/- 20km und 25 Minuten. Das schaffe ich! 

Also nächsten Stellplatz angefahren über eine Straße bei der ich noch denke. Also hier passt die Trude durch, und die Trude durch und NUR die Trude durch. Hier darf uns kein Gegenverkehr entgegen kommen, sonst muss einer rückwärts fahren… Gott sei Dank, kam mir erst an einer kleinen Parkbucht jemand entgegen, der dann ausweichen konnte. Oben auf dem Stellplatz angekommen stehen wir so schräg, dass mir sogar das Essen vom Teller rollt, egal wie ich mich hinstelle – und auf die Keile trau ich mich nicht. Noch dazu ist das Tanklämpchen angegangen und das macht mich immer nervös.

Lassen wir den Stellplatz, Stellplatz sein, ist eh nicht der richtige und fahren wir mal an die nächste Tankstelle. Und wenn ich mich nicht verfahren hätte, wären es auch nur 5 Min. und 3,5km gewesen. So bin ich jetzt ein Ticken länger unterwegs. An der Tankstelle bekomme ich den Tankdeckel nicht ab und frage einen jungen Mann auf englisch um Hilfe und das klappt dann reibungslos. Auch einfach mit der Visa-Karte zahlen geht ohne Probleme und die Trude freut sich über einen ordentlichen Schluck – ganze 62 Liter Gazole gehen rein. Für 1,809€ pro Liter ist die Hundert-Euro-Marke schnell geknackt. Doch mir bleibt ja nichts anderes übrig, die Fahrt soll ja weitergehen.

Mittlerweile ist das Fahren schon echt anstrengend und ich überlege mir, dass ich mich einfach auf den nächsten Parkplatz stelle den ich finde. Siehe da nach 4 Min. und 2,5km stehe ich am Friedhof. *lach* Nein, hier gibt’s zwar Wasser umsonst, doch es ist kein schöner Platz, auch nicht für eine Nacht. Heute ist echt der Wurm drin, doch hier bleibe ich definitiv nicht. Es fühlt sich nicht gut an.

Und somit fahren ich noch weitere 20 Min. und 15km +/- weiter und komme um 13.40Uhr endlich an diesem herrlichen Fleckchen Erde an. Bin fix und fertig und freue mich, dass es mittlerweile nicht mehr regnet und ich endlich loslassen kann, denn vor lauter Anspannung bin ich jetzt ganz verspannt und habe Kopfschmerzen.

 

 

 

Der offizielle Platz ist zwar ein bisschen weiter unten, doch hier gefällt es mir einfach besser und solange ich nicht weggeschickt werde ist alles gut. Ich stehe am „L’Orée du Bois – Village Nature“ (*unbezahlte Werbung*) – wenn ich es richtig sehe, eine Art Seminar-Haus…

Ich genieße einen Mini-Spaziergang um den See und hole mir im Anschluss sogar einen Stuhl und den Tisch raus, denn die Sonne scheint so herrlich. Kaum habe ich alles draußen, kommen dicke Wolken und verdecken die Sonne. Jetzt ist es mir doch zu kalt draußen und ich packe nach nur 10 Minuten alles wieder ein. Ein bisschen Krafttraining nebenbei schadet ja auch nicht… *lach* In der Trude ist es doch ein bisschen wärmer! 

Kurze Zeit später: siehe da, der Regen hat mich wieder eingeholt. Mittlerweile regnet es und ich kann beobachten wie die Regentropfen auf dem See landen.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann kann ich die Heizung wieder anmachen, denn es wird sehr schnell, sehr kühl in der Trude und ich hasse es zu frieren. Zum Abendessen gibt’s heute Edamame-/Soja-Bohnen und vielleicht ein paar Garnelen dazu, denn sie sind nicht mehr wirklich tiefgefroren und schlecht sollen sie ja auch nicht werden. Denn ich muss gestehen, vor lauter „Stress“ habe ich heute nur ein paar Maronen während der Fahrt gegessen und das war auf jeden Fall viel zu wenig an Frühstück.

Mal schauen, wo es mich Morgen hin verschlägt… Es bleibt spannend!

 

Tag 5: Samstag, 05. November 2022

69850 Saint-Martin-en-Haut – 48250 La Bastide-Puylaurent: 197km

Ach ja, gestern hätte ich ja am liebsten das Handtuch geworfen… Um 18.00Uhr lag ich schon im Bett vor lauter Frust und Kopfschmerzen und bin erst heute Morgen um 7.00Uhr aufgestanden! 13 Stunden habe ich fast komplett durchgeschlafen! Wow! Da ging es mir wirklich schlecht, denn ich schlafe nur sooo lange, wenn ich richtig k.o. bin. Doch nach dem gestrigen Tag, kein Wunder!

Heute sieht der Tag schon ganz anders aus. Ganz entspannt erledige ich meine To-Do-Liste vor Abfahrt, leere alles aus, kehre sogar zusätzlich die Trude raus und kontrolliere die Gasflasche! Wenn das „Meßding“ richtig funktioniert, habe ich bis jetzt eine halbe Flasche Gas verbraucht. Hoffen wir mal, dass es so ist und ich bis nach Spanien komme, ohne vorher doch noch eine französische Flasche holen zu müssen. Wenn ich in diesem Tempo weiter fahre, dürfte ich Montag oder spätestens Dienstag dort ankommen – zumindest bis an die Grenze.

 

 

 

Mein größter Wunsch für heute ist: Bitte keine engen Mini-Gässchen mehr. Keine Schilder mehr mitnehmen – ups, dass habe ich Dir noch gar nicht erzählt… *lach* Ja, wir haben gestern ein Verkehrs-Schild kurz touchiert. Das hing aber auch doof da und es war mal wieder alles sooo eng und Gegenverkehr, und, und, und… Aber weder dem Schild noch der Trude ist was passiert, also eigentlich gar nicht nennenswert… Hat nur mal kurz geknallt… *Augenroll*

Also, keine Schilder mehr mitnehmen, kein Gegenverkehr auf super engen Straßen und keine „fast Feldwege“ mehr!

Berta, mein Navi, ist heute in der Tat sehr gnädig mit mir. Die erste halbe Stunde geht es zwar nur durch, für mich gefühlte, recht enge Straßen bergauf und bergab – wobei mir auch hier LKW’s entgegenkommen, also ist es wohl doch nicht sooo eng – doch danach wird es besser. Die erste halbe Stunde denke ich allerdings, dass ich mir gleich in die Hose mache vor Angst. Eigentlich habe ich keine Höhenangst – eigentlich -, doch das ist schon heftig, wenn Du am Straßenrand nur noch den Abgrund siehst. Die Aussicht ist natürlich unbezahlbar, doch ich bin so verkrampft und will einfach nur noch von diesem Berg wieder runter, dass ich nicht einmal anhalte um Fotos zu machen. Sorry! Vielleicht werde ich ja lockerer mit der Zeit… Doch heute bestimmt nicht mehr… *lach*

Nach dieser heftigen halben Stunde könnte ich meine liebe Berta knutschen, denn sie schickt mich nur noch über Autobahn und Nationalstraße. Beides schön breit und mehrspurig! Prima! Allerdings könnte man grad meinen, dass ich in den Kassler Bergen unterwegs bin, so heftig geht es hoch und runter. Meistens muss ich sogar in den vierten Gang wieder runter schalten um überhaupt vom Fleck zu kommen. Mitunter schaffen es die LKW’s neben mir nur mit 30km/h hoch zu fahren. Schon heftig! Da bin ich mit meinen 60-80km/h ja richtig schnell…

Nach den paar Strapazen schaffen wir es heute wirklich pünktlich und ohne weitere Zwischenfälle bis nach La Bastide-Puylaurent. Hier stehen wir jetzt schon gegen 12.00Uhr am Bachlauf, wie auch bei der Park4Night (*unbezahlte Werbung*) beschrieben. Die Einfahrt finde ich zwar nicht gleich, doch nach mehrmaligem schauen, aussteigen, gucken und suchen, ist sie auf einmal da… *lach* Und übrigens so gerade wie heute, habe ich die ganze letzte Woche noch nicht gestanden!! *freu*

 

 

 

Ich laufe eine Mini-Runde um das Viertel und entdecke zufällig einen französischen „Tante-Emma-Laden“, der eigentlich um 12.00Uhr schon schließt, doch da die Tür noch offen steht gehe ich einfach rein. Nach einem kurzen Moment kommt eine ältere Dame herein und fragt mich, was ich denn hier noch will, sie hätte doch schon zu. In meinem gebrochenem Französisch, versuche ich ihr zu erklären, mit Händen und Füßen und vor allem Geräuschen wie „bbsssstttt“ und „klatsch“, dass ich eine doofe Fliege in der Trude habe und sie loswerden möchte. Sie sagt: „Oh, l’ennemi dans le camping-car…“ (Der Feind im Wohnmobil!), und fragt mich, ob ich ein Spray oder lieber eine Fliegenklatsche für die „Mouche“ (Fliege), dem Feind, haben möchte. Ich entscheide mich für die Klatsche, nachdem ich heute Morgen meine aus der Trude schon in drei Teile kaputt bekommen habe. Ein Schlag uns sie war hin. Also die Klatsche, nicht die Fliege. Die habe ich mehrmals vorgewarnt und als sie immer noch nicht gehen wollte, habe ich sie mit meinen Reiseunterlagen platt gemacht. Doch über die neue Fliegenklatsche freue ich mich trotzdem, wer weiß wann das nächste mal der Feind naht…

Ich entscheide mich heute mal nicht so viel zu laufen, denn das Dörfchen hier ist zum einen Mini und zum anderen geht’s nur hoch oder runter und darauf habe ich heute keine Lust. Viel mehr steht mir heute der Sinn, mich kreativ zu beschäftigen, und fange mal an mein Zeug auszupacken. In der Zwischenzeit telefoniere ich auch mit meinem Lieblingsmensch und er sagt nur: „Oh, bei Dir sieht’s ja aus, wie sonst hier auf dem Schreibtisch!“ *lach* Na klar, kreativer Chaos! Ich habe mir vor Abfahrt bei meiner lieben Bastelfreundin Jasmin (*unbezahlte Werbung*) jede Menge „Workshops“ eingepackt. Heute habe ich den 1. Weihnachts-Workshop verarbeitet, allerdings nicht weihnachtlich. Ich wollte es gerne neutral halten und somit sind ein Büchlein mit zwei integrierten Boxen, eine Karte und zwei Flaschenanhänger entstanden. Die Projekte zeige ich Dir zeitnah. Versprochen! Sobald die Sonne richtig schön scheint und ich draußen Fotos davon machen kann!

Im Anschluss kümmere ich mich um die grobe Planung für 2023: Ferientermine, Urlaub, Bereitschaft, Überwinterung, Geburtstage, schon geplante Kurse, etc. Alles trage ich „grob“ in einen DIN-A4 Kalender ein, um eine Übersicht zu haben. Die „Feinplanung“ folgt dann ab Weihnachten, wenn ich zu Hause meinen neuen Kalender „Experte“ von EllaTheBee (*unbezahlte Werbung*) einpacke. *freu* Bis Weihnachten sollte er dann hoffentlich da sein. 

Jetzt wird es wieder von Stunde zu Stunde, ach was sag ich da, von Minute zu Minute kälter und obwohl es erst 17.00Uhr ist, plobbert die Heizung schon vor sich hin und ich sitze mit meiner Wollmütze auf dem Kopf in der Trude. Ich hab nämlich festgestellt, dass wenn mein Kopf warm bleibt, ich nicht so schnell friere. Und bei den mega kurzen Haaren friere ich doch sehr, sehr schnell. Am letzten Freitag vor Abfahrt habe ich sie mir nämlich selbst auf 9mm runter geschnitten… Brrr, ist das jetzt kalt oben rum! *lach* Meinen Eltern gefällt es nicht, doch ich finde es gut und vor allem auch mega praktisch auf Reisen und generell.

Gleich werde ich mir die Garnelen zubereiten, – denn gestern war ich sooo fertig, dass ich es irgendwie nicht mehr auf die Reihe bekommen habe, – und mich mit einem leckeren Abendessen verwöhnen. Danach vielleicht nochmal mit meinem Lieblingsmensch telefonieren und dann werde ich wohl doch wieder recht früh ins Bett gehen. Du weißt ja, Gas und Strom sparen und so… *lach*

 

Tag 6: Sonntag, 06. November 2022

48250 La Bastide-Puylaurent – 34800 Clermont-l’Hérault: 239km

Heute habe ich eine sehr unruhige Nacht verbracht. Ich hatte gestern Abend die ganze Zeit das Gefühl, dass die Trude wackelt. Als ob einer dran rütteln würde. Es war aber weit und breit niemand zu sehen und bei einer Windgeschwindigkeit von 14km/h sollte das eigentlich auch nicht so zu spüren sein (oder?) und noch dazu war die Handbremse angezogen. Also keine Ahnung was ich gemerkt habe, doch mir war so komisch, dass ich nach dem Abendessen schon wieder im Bett lag. Immerhin dieses Mal erst um 19.30Uhr. *lach* Noch dazu war es sooo kalt – ich glaube, es waren gerade mal 3°C – dass ich trotz zwei Decken, zwei Wärmflaschen und zwei Paar Socken immer noch gefroren habe.

Heute Morgen friere ich gerade so weiter, wie es gestern Abend aufgehört hat. Ich mache mir auch schon beide Wärmflaschen wieder einsatzbereit und vergesse ganz, dass gestern Abend ja ein kleiner „Hulk“ am Werk war… Ich weiß zwar immer noch nicht wie, doch ich habe den Deckel vom Wasserkocher kaputt bekommen… *Augenroll* Mal schauen, was ich wohl noch alles klein bekomme…

 

 

 

Und das Wasser funktioniert heute auch nicht wie es sollte. Mal schauen, ob ich heute noch die Muse finde um mal nach der Pumpe zu schauen. Vielleicht hat sich da irgendwas vor den Schlauch gesetzt… Schon irgendwie doof, wenn man sich jetzt um alles alleine kümmern muss. Ich freu mich allerdings, dass ich meinen persönlichen Support – mein Lieblingsmensch – immer sofort am Telefon habe, wenn ich mal wieder die Krise bekomme.

Nun gut, alles erledigt, alles eingepackt, mich warm eingepackt – dieses Mal sogar mit zwei Wärmflaschen im Rücken – und los geht’s…

Berta, mein Navi, führt mich auch dieses Mal die Hälfte der Zeit durch enge, kleine Straßen geführt und ständigen Kuren rechts / links. Ich erwische mich sogar dabei, dass ich mich in jede Kurve mit reinlege… *lach* Passiert Dir das auch? Dabei lässt sich die Trude auch nicht anders fahren, egal ob ich mit auf der Seite liege oder nicht… *oh man*

Der Rest der Strecke führt dann erst über die N88 und dann über die A75 bis nach Millau und dann weiter bis nach Clermont-l’Hérault. Die A75 kenne ich schon gut aus anderen Fahrten nach Spanien und weiß noch, dass ich schön langsam machen muss, erst recht, wenn es nach unten geht, denn da bekommt die Trude ganz schön viel „Speed“!! Die Bremsen glühen regelrecht. 

Hier stehe ich jetzt auf einem Weingut und wenn ich es richtig verstanden habe, könnte man sogar heute Abend eine kleine Weinprobe mitmachen. Mal schauen, ob mir nachher danach ist. Wenn, dann ist es nämlich erst um 18.30Uhr und da liege ich ja eigentlich schon wieder fast im Bett… *lach*

Die Sonne scheint und wir haben 17°C. Daher beschließe ich ein bisschen laufen zu gehen. Theoretisch möchte ich auf’s nahegelegene Schloss, doch man muss da die ganze Strecke an der Hauptstraße entlang laufen, an der die Autos regelrecht vorbeisausen und das ist mir jetzt doch zu gefährlich. Leider gibt es keinen Geh- oder Wanderweg, daher drehe ich wieder um, besichtige die kleine Kirche und laufe zurück zur Trude. 

 

 

 

Ein paar Tierchen finden gefallen an mir und ich an ihnen…

 

 

 

Hier versuche ich jetzt, den Fehler in meinem Blog zu finden, doch leider komme ich da alleine nicht weiter. Ich werde Morgen versuchen Andrea (*unbezahlte Werbung*) zu erreichen, vielleicht kann sie mir ja weiterhelfen.

Ja, so einiges geht mir gerade wieder durch den Kopf, denn mein Lieblingsmensch hat mir vorgeschlagen, vielleicht doch lieber einen Stellplatz für die Trude an Weihnachten zu suchen und mit dem Flieger zurück nach Deutschland zu kommen. Wenn Du also jemanden kennst, der vielleicht jemanden kennt… – der einen Stellplatz für die Trude in der Nähe von Valencia hat, lass es mich gerne wissen.

Du siehst, auch wenn ich schon gute 1000km von zu Hause weg bin, nehme ich meine Grübeleien mit… Ayayay… Das darf doch auch noch anders gehen, oder?

Also, jetzt schalte ich mal ab und vielleicht bastle ich nochmal ein wenig, denn es hat mir gestern echt Spaß gemacht. Vielleicht setze ich mich aber auch noch ein bisschen in die Sonne mit einem Buch oder so. Ach, mal schauen, wonach ich gleich Lust habe. Auf jeden Fall kommt der Rechner jetzt wieder in den Schrank und ich hoffe, dass meine Beiträge online gegangen sind und Du sie lesen kannst.

 

 

 

Tag 7: Montag, 07. November 2022

34800 Clermont-l’Hérault – 17491 Peralada: 221km

Gestern Abend wurde es noch sooo schön!! Ich habe gleich zwei weitere allein reisende Frauen kennengelernt und zum Schluss saßen wir zu dritt in der Trude und haben über Gott und die Welt gequatscht. Aber spulen wir nochmal zurück.

Gestern Abend pünktlich um 18.30Uhr – nachdem ich schon meinen Schlafanzug anhatte *lach* – hat es an meiner Tür geklopft und ich wurde zu einer Führung und Weinprobe vom Neffen des Gutsherren eingeladen. Damit hatte ich irgendwie nicht mehr gerechnet und so hab ich mich doch nochmal schnell umgezogen und war dann fünf Minuten später in der Halle. Dort hat Kirsten schon gewartet – eine der alleinreisenden Damen – und wir haben eine Führung durch das Weingut und eine ausführliche Präsentation über die Weinherstellung bekommen, allerdings nur auf Französisch. Ich war sehr froh, dass Kirsten viel mehr Französisch als ich kann und so hat sie mir die wichtigsten Sachen immer übersetzt. 

*Herzlichen Dank nochmal liebe Kirsten!*

Kirsten hat dann die Weinprobe mitgemacht und ich durfte jeweils an ihrem Glas schnuppern, denn zur Zeit trinke ich keinen Alkohol. Tut mir im Moment einfach nicht wirklich gut mit meiner Fibro. Das „Riechen“ hat schon gereicht… Zwei Fläschen Wein habe ich trotzdem mitgenommen. Als wir schon fast am Gehen waren, kam dann noch Beate dazu – die Dritte im Bunde – die auch alleine „on Tour“ ist. Nach kurzer Zeit war klar, dass wir uns unbedingt nochmal zusammensetzen möchten und so haben wir es uns dann in der Trude gemütlich gemacht.

Ein richtig toller Abend, der mich auf meiner Reise sehr gestärkt hat!

*Vielen Dank, Mädels, Ihr seid toll!*

Letztendlich haben wir sogar Nummern ausgetauscht und halten uns jetzt gegenseitig auf dem Laufenden… Kirsten mit ihrer Helga auf vier Rädern und Beate mit ihrem Efix Ludi. Man weiß ja nie, wann man sich wiedertrifft…

Am nächsten Morgen gibt’s dann noch ein Dreier-Selfie und wir verabschieden uns. Gegen 8.25Uhr fahre ich dann auch los und um 10.20Uhr sehe ich endlich das erste Mal das Meer in Frankreich – allerdings nur beim Vorbeifahren. Um 11.25Uhr fahre ich über die spanische Grenze gefahren und um 12.05 bin ich dann endlich in Peralada.

 

 

 

Die Fahrt von der Grenze bis nach Peralada ist mal wieder sehr abenteuerlich und ich denke, dass ich mehr über Feldwege als über die wirklich „offizielle“ Straße fahre, doch laut den Schildern ist das wirklich die offizielle Straße. *seufz* Ist also auch nicht viel besser als in Frankreich…

Hier in Peralada stelle ich mich gleich mal bei den deutschen Nachbarn vor. Ein älteres Pärchen aus Karlsruhe steht genau vor mir und schnell sind wir Mitten im Gespräch. Danach mache ich einen kleinen Ausflug in die Altstadt. Und der Ausflug wird wirklich kurz, denn innerhalb kürzerster Zeit laufe ich jede Straße zwei mal ab. Ist halt echt winzig, doch zauberhaft. Das Museum kann ich leider nicht besuchen, obwohl es sehr schön sein soll, da es montags geschlossen hat. Schade.

 

 

 

Am Stellplatz angekommen, wird es hier allmählich echt voll. Zwei Holländerinnen stellen sich so knapp neben mich, dass ich so definitiv Morgen früh nicht raus komme, also muss das Gespräch gesucht werden. Und was soll ich sagen, es ensteht sogleich eine gute Bindung zwischen uns und mit Deutsch und ein paar Brocken Englisch kommen wir sehr gut zurecht. Sie warten noch auf eine Dritte Dame und so halten wir ihr schon mal in der Sonne ein Plätzchen frei, genießen einen Kaffee/Tee und quatschen über unsere Reisen. Mit Nel, Josephine und Andrea verstehe ich mich auf Anhieb so gut, dass sie mich abends zum Essen bei Josephine im WoMo einladen. Es gibt Frikadellen (mit und ohne Fleisch), dazu Kartoffeln, Blumenkohl mit Käse überbacken und ein Sößchen. Ich werde sooo verwöhnt!! Da komme ich mit meinem Nachtisch, bestehend aus frischem Obst und einer wirklich sehr herben Zartbitterschokolade (99% Kakao), kaum an. Es ist ein herrlicher Abend und wir lachen sehr viel gemeinsam. Sie erzählen mir auch von der App „Polarsteps“ auf der man seine Reise nicht nur markieren, sondern auch die von anderen verfolgen kann. Und somit folge ich jetzt gleich drei Damen und habe zeitglich auch drei Follower. Nicht schlecht, dann kann man immer sehen, ob man in der Nähe ist und sich nicht vielleicht doch noch einmal treffen kann.

 

 

 

Bevor ich allerdings zu diesem herrlichen Abendessen gehe, habe ich mich auch gleich noch mit Alex und ihrer Hündin Minu angefreundet und gemeinsam unternehmen wir noch einen sehr schönen und langen Spaziergang und unterhalten uns echt gut. 

Als wir wieder am Stellplatz ankommen, sind die Holländerinnen auf Achse und haben liebevollerweise meinen Stuhl mit weggepackt. Man weiß ja nie… 

Und somit habe ich auch heute einen wundervollen Tag mit wunderschönen Gesprächen und vielen aufmunternden Worten und Zusprüchen, dass ich genau das Richtige mache und so fühlt es sich auch an. Es heißt nicht, dass ich meine Lieben zu Hause nicht auch vermisse und doch fühlt es sich gut und richtig für mich an.

 

Tag 8: Dienstag, 08. November 2022

17491 Peralada – 43736 El Masroig: 306km

Nach einem schönen Spaziergang direkt nach Sonnenaufgang, klopfe ich pünktlich um 8.00Uhr an den Türen meiner drei neuen Freundinnen um mich von Ihnen zu verabschieden, und natürlich auch, damit mich Andrea raus fahren lässt. Insgesamt haben sich 16 WoMo’s auf dem Platz eingefunden, obwohl er eigentlich nur für 6 WoMo’s ausgelegt ist. Schon der Wahnsinn! Doch es klappt trotzdem gut.

 

 

 

Meine Fahrt führt mich heute lange Zeit über die Autobahn und somit kommen auch die vielen Kilometer zustande. Zwischendurch muss ich tanken und werde gleich mal verarscht. Sorry, für den Ausdruck, doch genau so ist es. In Spanien gibt es im Moment einen Rabatt beim Tanken, der Dir beim Zahlen angerechnet wird. Als ich zum Bezahlen rein komme, werde ich super freundlich empfangen und bekomme eine Tasse geschenkt! Oh, dass ist aber nett. Ich bin total hin und weg. Eine Disney-Tasse, so hübsch, und farblich passt sie auch super in die Trude. Was ich allerdings erst am Abend auf der Quittung entdecke ist, dass sie mir diese für 5,99€ berechnet haben, obwohl sie angeblich geschenkt war. Somit haben sie sich einen Teil des Rabatts gespart und da ich trotzdem einen Rabatt bekommen habe, ist es mir nicht gleich aufgefallen. Wie gemein, oder? Also pass‘ ja auf, wenn Du in Spanien tanken solltest!! Noch bis Ende des Jahres soll dieser Rabatt gültig sein. Der Dieselpreis war heute übrigens bei 2,019€ / Liter.

 

 

 

Hier an der Tankstelle fülle ich auch das erste Mal ganz alleine Wasser auf! Was für ein Akt! Erst schließe ich den Filter falsch herum an, dann habe ich die Anschlüsse nicht fest genug drauf gesteckt und irgendwann macht es dann sowohl in meinem Kopf, als auch an den Anschlüssen „klick“ und dann heißt es endlich: Wasser marsch. Da ich allerdings nicht von außen auf die Füllanzeige im Inneren schauen kann, fülle ich solange, bis es anfängt überzulaufen. Schnell drehe ich dann alles wieder zu und baue alles wieder ab, nur habe ich leider da noch keine  wirkliche Übung drin und habe danach nasse Füße. Die Heizung auf die Füße in der Trude trocknet sie dann schnell wieder.

Nach einer großen Strecke Autobahn und wieder vielen, vielen Kurven auf der Landstraße komme ich also gegen 12.50Uhr endlich in El Masroig an. Hier stehen schon zwei WoMo’s. Die Spanierin spreche ich gleich an, doch sie fährt leider gleich los, sie stand letzte Nacht hier uns sie zieht es ans Meer. Am anderen Fahrzeug ist niemand zu sehen und so schaue ich mich hier erst einmal um. Ich muss feststellen, dass dieses Städtchen noch viel kleiner als das von gestern ist und nach einer knappen Stunde bin ich schon wieder zurück. Hier gibt es nur ein paar alte Häuser und eine Kirche zu sehen. Ein bisschen gruselig ist es schon, denn man sieht absolut niemanden auf der Straße laufen – alles ist wie ausgestorben. 

 

 

 

Wieder an der Trude angelangt ist das andere WoMo auch weg, dafür stehen jetzt allerdings Kevin und Lian aus Schottland da. Wir unterhalten uns kurz, da mein Schulenglisch mit dem schottischen Englisch nicht so ganz zusammenpasst, doch irgendwie verstehen wir uns dann doch. Kevin bietet mir auch an, jederzeit bei Ihnen anzuklopfen, wenn was sein sollte. Toll diese Gemeinschaft! Ich bin von mal zu mal begeisterter.

Ich hole erst einmal Tisch und Stuhl raus und dann bastle ich ganze drei Stunden bis die Sonne allmählich untergeht. Währenddessen gesellt sich ein weiteres WoMo zu uns, was aber für sich bleibt und wohl keinen Kontakt möchte. Auch gut – jedem das seine!

 

 

 

Theoretisch möchte ich auch noch draußen zu Abend essen, doch nach dem Salat gehe ich ganz schnell rein, denn es wird von jetzt auf gleich echt kalt. Drinnen esse ich noch ein wenig Obst zum Nachtisch und wärme mich bei einem Tee wieder auf. Oh ja, ab und zu trinke ich auch mal einen Pfefferminz-Tee! *lach*

In der Trude bin ich echt froh, dass ich mir in Frankreich eine Fliegenklatsche gekauft habe, denn heute brauche ich sie definitiv. Keine Ahnung warum ich auf einmal so viele Fliegen in der Trude habe… Die Jagd beginnt!! Und ich taufe das Städtchen in die Katzen-Fliegen-Stadt um… *lach*

Irgendwann ist endlich Ruhe und ich verbringe eine richtig schöne ruhige Nacht.

 

Tag 9: Mittwoch, 09. November 2022

43736 El Masroig – 46820 Anna: 375km

Heute schlafe ich in der Tat ein wenig länger und somit fahre ich auch erst um 8.45Uhr los.

 

 

 

Die Fahrt geht wieder über die Autobahn bis nach Náquera und dann über eine sehr kaputte Straße mit mega vielen Schlaglöchern bis zum besagten Stellplatz. Hier angekommen fühle ich mich in einer Art Kommune allerdings überhaupt nicht wohl und nach einer halben Stunde Pause fahre ich wieder weiter. Für viele, laut den Kommentaren in der App, der Himmel auf Erden… Für mich nicht. Mein Bauchgefühl sagt, wir fahren weiter und so geht die Fahrt weiter.

Mein nächstes Ziel ist Massamagrell, in Strandnähe und auch nur 20 Minuten von Náquera entfernt. Als ich hier ankomme, muss ich leider feststellen, dass der Platz schon mehr als überfüllt ist und ich keinen Platz mehr finde und ehrlich gesagt, möchte ich nicht am Straßenrand parken, wie das einige andere tun.

Letztendlich entscheide ich mich einfach weiter zu fahren bis nach Anna, da, wo ich mich sowieso Morgen mit meiner Familie treffen möchte. Theoretisch noch eine Stunde Fahrtzeit und über die Autobahn… Denkste, denn Berta, mein Navi, hat noch eine kleine Überraschung auf Lager. Sie schickt mich doch glatt durch ganz Valencia!! Mittendurch, inkl. gefühlten tausenden Ampeln und Kreisverkehren mit vier Spuren und Ampelschaltung. Die Hölle!! Doch ich glaube, jetzt, kann mich mit meiner Trude nichts mehr aus der Ruhe bringen! Hat also auch Vorteile…

Einen ganz großen Vorteil hat es allemal, denn, wie Du vielleicht noch weißt, funktioniert seit Samstag mein Wasser nicht mehr richtig, es kommt nur noch ein Rinnsal aus der Küchenarmatur und im Bad gar nichts mehr. Nach dem vielen Geruckele in Náquera allerdings – wo ich teilweise im ersten Gang fahren musste, weil die Schlaglöcher riesig waren – geht das Wasser heute wieder. Wahrscheinlich ist das Ansaugrohr mit was auch immer verstopft gewesen und jetzt ist es wieder frei und mein Wasser läuft! Juhuu! Muss ich also doch keine Werkstatt in Cullera aufsuchen!!

Fix und fertig von der Autofahrt komme ich um 14.30Uhr endlich in Anna an. Ich stehe zwar auf keinem offiziellen WoMo-Stellplatz, doch auf einem riesigen Parkplatz auf dem noch ein Deutscher steht, den ich allerdings nicht zu Gesicht bekomme. Nicht schlimm. In Anna war ich schon öfters meine Tante im Altersheim besuchen und fühle mich auch so ganz wohl.

Als erstes suche ich die Touristen-Information auf und bekomme gleich empfohlen, die Museums-Besichtigung zu buchen die um 16.00Uhr beginnt. Ja, klar, warum auch nicht und für 4,00€ Eintritt vollkommen okay. Anna ist zwar ein bisschen größer als die Städtchen davor, doch auch alles fußläufig gut zu erreichen. Also mache ich mich auf den Weg zum „Palacio Condes de Cervellón“. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe ist, dass das Wetter hier so schnell umschlägt. Eben noch der tollste Sonnenschein – also lasse ich meine Jacke in der Trude – und jetzt auf einmal ein super heftiger Wind und Nieselregen. Igitt! Ich suche gleich Schutz im „Palast“ und warte drinnen bis es mit der Führung los geht.

 

 

 

Nach kurzer Zeit trudeln weitere Gäste und einen Seniorengruppe von 17 Leuten an. Insgesamt sind wir bestimmt um die 25 Personen und Lucía, unser Guide, führt uns durch den Palast und erklärt uns alles von der Mauren-Herrschaft bis zur heutigen Zeit. Alles sehr interessant, doch wirklich merken kann ich mir leider nicht viel. Die Mosaik- und Holz-Arbeiten faszinieren mich allerdings sehr. Theoretisch sollte die Führung nur eine Stunde gehen, doch bei so vielen Leuten haben wir gleich mal eine halbe Stunde überzogen. Eine tolle Frau, unser Guide, mit einem Wahnsinn an Wissen über diesen Palast und das Städchen im Allgemeinen.

 

 

 

Als wir fertig sind lässt der Wind auch schon etwas nach und es regnet nicht mehr. Kalt ist mir trotzdem und einkaufen müsste ich auch noch.

 

 

 

Ich bekomme einen Supermarkt empfohlen, allerdings finden hier gerade Umbaumaßnahmen statt und der Laden ist geschlossen. Das wusste die Dame wohl nicht… *seufz* „Am Freitag öffnen wir wieder!“ bekomme ich als Antwort. Mein Problem ist nur, bis Freitag bleibe ich nicht und Hunger habe ich jetzt. Naja, irgendwas wird sich in der Trude schon noch finden…

Auf dem Weg zur Trude frage ich doch noch mal in der Ferretería (Eisenwarenhandel) nach, ob sie mir einen Laden empfehlen können, der nicht entweder im Umbau oder nachmittags geschlossen ist. Nach einem kurzen Telefonanruf bekomme ich einen Laden gesagt, der auch noch um der Ecke von meiner lieben Trude ist. Perfekt. Im Laden erwähne ich nur, wie froh ich bin, dass dieser geöffnet hat und auf einmal erzählt mir die super nette Verkäuferin Carmen, wie sie zum dem Laden gekommen ist. Ich weiß jetzt alles seit der Eröffnung 1942, direkt nach dem Krieg, bis zur heutigen Zeit, wer wann den Laden übernommen hat und warum. Klasse die Spanier! Über eine halbe Stunde erzählt Carmen mit mir, als ob wir beste Freundinnen wären, denn sie ist nicht viel älter als ich… Als ich aus dem Laden raus komme, ist es schon fast dunkel.

In der Trude mache ich es mir dann gemütlich und zum Abendessen gibt es einen Bohnensalat mit Bacon und Zwiebeln. Dazu ein paar Anrufe bei der Family und alles ist perfekt.

 

Tag 10: Donnerstag, 10. November 2022

46820 Anna – 46400 Cullera: 71km

Um 10.30Uhr bin ich heute mit meiner Family am Altersheim verabredet, doch vorher möchte ich unbedingt noch die vielen Wasserfälle und anderen Naturschauspiele besuchen gehen, daher mach ich mich um 7.30Uhr – gleich nach Sonnenaufgang – auf den Weg.

Ich komme an kleinen und großen Wasserfällen vorbei, verlaufe mich natürlich mehrmals, komme an manchen Stellen auch einfach nicht durch, weil die Regenfälle im Frühjahr alles weggeschwemmt haben und darf zum Abschluss 135 Stufen runter und später auch wieder hochlaufen um den letzten Wasserfall und See zu sehen.

 

 

 

Am Altersheim angekommen, bin ich schon über 7km querfeldein gelaufen…

Mit meiner Tante, meinem Onkel und meiner Mama geht’s jetzt zum Kaffee trinken. Meine Tante ist so glücklich mich dort zu sehen, dass sie mich an die Hand nimmt und mich nicht mehr loslässt. Nach 90 Minuten muss sie leider wieder zurück im Altersheim sein. Schade, die Zeit vergeht so schnell. Mein Onkel ist dann noch so nett und bringt uns mit dem Auto an die Trude, denn so langsam wie meine Mama läuft, hat er Angst, dass wir vor Sonnenuntergang dort nicht ankommen… *lach* Nein, so schlimm wäre es nicht gewesen, doch anstrengend schon…

An der Trude angekommen, mache ich noch alles zur Abfahrt klar und dann geht’s los. Nicht nur die Fahrt, sondern auch die Fragerei, warum ich ausgerechnet alleine in der Trude reise… Oh je, ich hab’s geahnt dass da noch was kommt. Irgendwann hat sich meine Mama dann beruhigt und wir konnten das Thema auf andere Sachen lenken.

In Cullera angekommen ist Tanken gleich wieder angesagt. Heute sind wir bei 2,009€ / Liter Diesel und heute werde ich GEFRAGT (!!), ob ich eine Tasse für 5,99€ kaufen möchte!! Man beachte, ich werde gefragt und bekomme sie nicht so geschenkt, dass ich zum Schluss 5,99€ bezahle!! Ich teile der netten Dame meine schlechte Erfahrung mit und sie ist selbst absolut empört. Beim Rausgehen erzählt sie es auch gleich ihrem Kollegen, dass das ja gar nicht geht. 0,25€ pro Liter habe ich als Rabatt bekommen. Hier an der Tankstelle habe ich mich auch gleich nach einer Gasflasche erkundigt, denn irgendwie wundert es mich schon, dass die Gasflasche nach zehn Tagen immer noch hält. Gott sei Dank, denn heute könnte sie mir keine verkaufen – alles ausverkauft. Sie war so nett mir die Telefonnummer der Tankstelle zu geben, damit ich mich informieren kann bevor ich losfahre. Total lieb! Es geht also auch anders…

In Cullera selbst stehe ich auf einem Platz, der im Sommer kostenpflichtig ist. Doch jetzt im Winter dürfen die WoMo’s hier frei stehen. Wie schön! Ich dachte schon, ich müsste direkt an der Straße parken, wie wir es schon einmal hatten. Insgesamt stehen noch weitere drei WoMo’s da.

Als ich gerade rückwärts einparken, kommt mir ein Auto entgegen und scheint direkt auf mich auffahren zu wollen. Ich beschwere mich, was dieser Typ den jetzt von mir will und zum Schluss stellt sich raus, dass es ganz liebe Freunde von meinen Eltern sind, die uns einfach erkannt haben und „Hallo“ sagen wollten. Was hab ich dann gelacht! Der erste Schreck war trotzdem groß!

Pünktlich zur Mittagszeit sind wir also zu Hause. Jetzt erst noch meinen Papa begrüßen und ann unbedingt unter die heiße Dusche und Wäsche waschen, während meine Eltern das Essen zubereiten. Danach essen wir gemeinsam und meine Mama und ich unternehmen noch einen kleinen Spaziergang. Mein Papa leider nicht, denn er ist nicht mehr gut zu Fuß. Als ob ich heute noch nicht genug gelaufen wäre… *lach*

 

 

 

Bei den Chinos, die eigentlich alles führen, habe ich leider nicht den Wasserkocher gefunden, den ich gerne hätte. Doch dafür habe ich mir einen Topfhandschuh gegönnt – so kann ich immerhin noch meinen alten, kaputten Wasserkocher weiter benutzen bis ich den richtigen gefunden habe.

Jetzt sitze ich schon eine Weile in der Trude, lese ein bisschen in meinem Buch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ (*unbezahlte Werbung*) von Alexandra Reinwarth und schreibe meine Reiseberichte der letzten Tage auf. Ich hoffe ja, dass mein Blog bald wieder repariert ist und ich dann nur noch alle Inhalte einfügen und mit Fotos bestücken muss. Irgendwie fehlt mir das ja schon…

Nun gut, mal schauen, wie es Morgen weiter geht. Bis Dienstagmorgen bleibe ich auf jeden Fall vor Ort und genieße die Zeit mit meinen Eltern. Mal sehen, wo es mich dann hinführt…

 

Druckversion | Sitemap
(C) Copyright 2015-2023 Susana Stier | www.susana-stier.de | smile(at)susana-stier.de | +49 176 70045511 Impressum & Datenschutz

Anrufen

E-Mail